Der schaurige Geist des Führers greift nach mir

Mein U-Boot, das ich im Roman beschreibe, basiert ja auf dem modernen Typ, dem deutschen Typ 212A, aber einiges habe ich umgeändert, rein der Dramaturgie wegen.
„Mein“ U-Boot hat zum Beispiel eine höhere Reichweite als die echten. Außerdem brauchte ich ein Beiboot, ein kleines Dingi, ein Schlauchboot, damit die Crew auch mal unkompliziert an Land kann. Ich stattete es mit einem leisen Elektromotor aus, damit es bei geheimen Einsätzen an der Küste nicht gehört werden kann. Geile Idee!

Dachte ich.

Dann las ich vor einiger Zeit zufällig ein Buch über die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. Hitler, zunehmend unzurechnungsfähig, empfing im April 1945 in seinem Führerbunker in Berlin ständig irgendwelche fanatische, ihm zugewandte Menschen. Darunter waren auch zwei junge Männer aus der Hitler-Jugend. Sie schlugen ihm vor, sich durch die feindlichen Linien zu schlagen, nach Westen, um dort Kontakt mit deutschen Truppen aufzunehmen. Hitler hielt das für eine hervorragende Idee. Aber wie wollten sie über die Havel kommen, an der anderen Seite des Flusses stünde ja schon der Feind? Mit einem Boot, antworteten die Jungen. Hitler, ganz der große Visionär, schlug vor, man solle das Boot umrüsten. Sie bräuchten unbedingt einen leisen Elektromotor, damit es bei diesem geheimen Einsatz nicht gehört werden könne.

Sofort schlug ich das Buch zu. Alter! Ich drehte mich um. Stand da etwa H.P. Lovecraft hinter mir und lachte höhnisch?
Den Elektromotor habe ich dann wieder rausgeschrieben. Ich brauchte ihn nicht.

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